Rostocker Bauunternehmer hadert mit Politik: „Von den Milliarden kommt in der Fläche nichts an“
Mit fast 50 Millionen Euro Umsatz jährlich gehört die Rostocker Groth Bau GmbH zu den größten Unternehmen der Branche in MV. Die Familienfirma ist hier seit 35 Jahren am Markt und wirtschaftlich kerngesund, doch jetzt schlägt Geschäftsführer Olaf Baaske Alarm.
Rostock. Auf einer der bekanntesten Groth-Baustellen in Rostock sind die Arbeiten schon seit Langem zum Erliegen gekommen. „Wir werden hier jetzt komplett abräumen“, sagt Geschäftsführer Olaf Baaske mit Blick auf den alten Getreidespeicher „Silo 1“ im Stadthafen.
Weil sich der Bauherr in einem Insolvenzverfahren befindet, liegt die Sanierung des markanten Gebäudes derzeit auf Eis. Für das Rostocker Bauunternehmen ist damit ein millionenschwerer Auftrag weggebrochen.
Millionenauftrag im Rostocker Stadthafen geplatzt
„Das ist ärgerlich, wir hätten den Speicher gerne fertig gebaut. Es war immer noch ein erheblicher Auftragsbestand, das fehlt uns jetzt auch noch. Gerade in der derzeitigen Situation“, hadert Baaske. Immerhin sind die Kosten gedeckt, Groth erleidet hier keinen finanziellen Verlust.

Dennoch: Die Misere auf der Baustelle im Rostocker Stadthafen könnte Symbolcharakter für die nahe Zukunft haben. Denn die Auftragslage am Bau ist mau, und das besorgt den Geschäftsführer.
„Wir stehen momentan vor einer Situation, die wir zehn Jahre lang nicht hatten. Unsere Auftragsbestände werden zum Jahresende größtenteils abgebaut sein. In den letzten Jahren haben wir immer eine Jahresproduktion vor uns hergeschoben. Das ist völlig vorbei“, sagt Baaske. 60 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Tief- und Straßenbau. In diesem Bereich sei die Nachfrage „völlig eingebrochen“.
185 Mitarbeiter erwirtschaften 50 Millionen Euro Umsatz
Klingt dramatisch. „Es ist dramatisch“, sagt der Groth-Geschäftsfüher. Er führt eines der größten Bauunternehmen im Land. In diesem Jahr feierte es seinen 35. Geburtstag. 1990, am Tag der Währungsunion wurde die Firma als neue Gesellschaft eines traditionsreichen Familienunternehmens gegründet.
Heute beschäftigt die Rostocker Gesellschaft – in Neustrelitz gibt es eine weitere GmbH, die zur Holding gehört – 185 Mitarbeiter, erwirtschaftet fast 50 Millionen Euro Jahresumsatz und ist tarifgebunden. Groth gilt in der Branche als Vorzeigeunternehmen.
Bankverbindlichkeiten? „Gibt es bei uns nicht“, sagt Baaske. Der Firmensitz in Rostock-Gehlsdorf gehört Groth ebenso wie alle Geräte und Maschinen, welche auch in der eigenen Werkstatt gewartet werden.

Tiefer Knick in 2000er Jahren
Seit der Firmengründung sei das Unternehmen „sehr gesund gewachsen“, wie Baaske sagt. Nach einem tiefen Knick in den 2000er Jahren, als Groth 30 Mitarbeiter entlassen musste, „hat es sich immer nur nach oben entwickelt“, so der geschäftsführende Gesellschafter, der selbst seit mehr als drei Jahrzehnten an Bord ist.
„Die letzten zehn Jahre waren hervorragende Baujahre. Wenn man sich allein in Rostock umschaut, was da passiert ist“, sagt der Firmenchef und fügt hinzu: „Uns geht’s gut.“ Die derzeitige Lage bezeichnet er dennoch als „schlecht“. Das sollte aufhorchen lassen, denn Baaske ist keiner, der jammert.
Aufträge um 40 Prozent eingebrochen
Die Verantwortung für die Bau-Misere sieht er vor allem bei der Politik. Groths wichtigster Auftraggeber ist die öffentliche Hand – und da herrscht Flaute. „Es wird viel erzählt und versprochen. Es wird mit Milliardenbeträgen verbal jongliert, aber in der Fläche kommt nichts an“, hadert der 58-Jährige.
In der Baubranche Mecklenburg-Vorpommerns sind die Auftragseingänge im letzten Monat gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent zurückgegangen. „Wenn ich meine Kollegen frage, sagen alle: ‚Zum Jahresende nehmen die Auftragsbestände rapide ab.‘ Das, so der Unternehmer, sei dramatisch.
Besser ist bei Groth die Lage im Hochbau. „Da sind wir noch ganz gut mit Aufträgen besetzt und bis Mitte 2026 ausgelastet“, so Baaske, der trotz aller Sorgen zuversichtlich bleibt und überzeugt ist, dass das Geschäft wieder anspringt: „Die Bedarfe sind da und das Geld angeblich auch.“
Die Firma Groth sei immer noch sehr gut aufgestellt. „Ich weiß, dass wir auch mal ein Tal durchschreiten können“, sagt der gelernte Baufacharbeiter und studierte Bauingenieur, „aber das darf nicht allzu lange andauern.“


